erfolg

Während meiner Suche nach Ahnen konnte ich auch einen ganz persönlichen Erfolg verzeichnen.

In langjähriger Kleinarbeit habe ich das Schicksal meines im 2. Weltkrieg vermissten Großvaters Erwin Feller aufgeklärt.

 

Der Winter 1940/41 war sehr streng. Viele Soldaten wurden auf Urlaub nach Hause geschickt. Erwin verließ seine Familie im Januar 1941. Er kam nicht zurück. Im August 1941 erhielt seine Frau Ella die Nachricht er sei vermisst gemeldet. Sie erwartete ihr drittes Kind.

Die einzigen Anhaltspunkte für die Aufklärung waren einige Erinnerungsfetzen, die sich mein Vater als Kind eingeprägt hatte. In einem der letzten Feldpostbriefe schrieb sein Vater von einem Aufenthalt bei Dlinni und Dobri.

Erwins Schwester hatte zu einem Offizier Kontakt hergestellt. Von ihm erhoffte sie sich Hinweise auf den Verbleib ihres Bruders. Der Offizier berichtete von einem Angriff auf LKWs, dem mein Großvater zum Opfer gefallen sein sollte.

In der DDR waren die Möglichkeiten zur Nachforschung sehr beschränkt.

1991 stellte ich einen Nachforschungsantrag bei der Auskunfsstelle der Deutschen Wehrmacht. Zwei Jahre später erhielt ich Antwort. Laut Aussagen eines Kameraden geriet mein Großvater im Juli 1941 in russische Gefangenschaft. Weitere Informationen seien nicht bekannt. Ich wurde an das Deutsche Rote Kreuz verwiesen. Dort begann man soeben die Auswertung der Kriegsgefangenenakten. Erwin Feller war nicht auf den Listen zu finden.

Im Laufe der Zeit etablierten sich im Internet einige Seiten zur Geschichte der Wehrmacht.

Dort konnte mir endlich jemand verraten zu welcher Division das Bataillon meines Großvaters zugeteilt wurde. So konnte folgender Werdegang rekonstruiert werden:

 

Im Dezember 1939 wurde das 465. Infanterie-Ersatz-Bataillon in Zeithain aufgestellt. Erwin Feller gehörte dazu. Bis September 1940 verblieb das Bataillon in Zeithain.

Schon im Sommer hatte sich Hitler zum Angriff auf Russland entschlossen. Dazu sollte die Anzahl der Panzerdivisionen auf 20 verdoppelt werden.

Im August kehrte die 4. Infanterie-Division aus dem Frankreichfeldzug nach Dresden zurück.

Aus ihr sollte die 18. Panzer-Division gebildet werden. Panzer III und IV wurden umgerüstet zum Unterwasserpanzer. Sie sollten den Vormarsch über den Don gewährleisten.

Zur Aufstockung der 18. Panzer-Division wurde u. a. auch ein Teil des 465. Inf.-Ers.-Bataillons verwendet. Erwin wurde Kraftfahrer des motorisierten Schlächtereizuges der Nachschubtruppen.

Nach dem zwangsläufigen Urlaub im Winter 40/41 ging es auf den Truppenübungsplatz nach Milowitz bei Prag. Dort wurde die Division auf den Einsatz vorbereitet.

Am 22. Juni 1941 rückte die Divison über den Bug bei Pratulin in Richtung Minsk.

Die Versorgungstruppen und das Lazaret bezogen Stellung bei Orscha, in einem Waldgebiet zwischen den Siedlungen Dobryn und Kljany. Nicht weit davon liegt die Rollbahn nach Moskau. Doch schon am 14. Juli 1941 wird diese Stellung von russischen Panzern vernichtet.

Erwin Feller gerät dabei in Gefangenschaft. Er kommt in das Dubrawlag nach Jawas in Mordwinien. Seit Jahren befindet sich dort ein Gefangenenlager für Ausländer. Ein riesiges Waldgebiet bietet dort Rohstoffe für die von der russischen Armee benötigen Bahnschwellen und Ski.

Schon am 27. September 1941 stirbt Erwin in Jawas, drei Tage vor der Geburt seiner Tochter.

 

Mit Hilfe meiner ermittelten Daten konnte Arolsen endlich eine Auskunft über meinen Großvater erteilen. Im November 2004 erhielt ich seine Sterbeurkunde. Behörden in Moskau stellten mir sogar die Gefangenenakten und eine Lageskizze des Grabes zur Verfügung.

Ich bin froh, dass das Schicksal meines Großvaters endlich aufgeklärt ist.

 

 
     

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